Wie ich zum Zirkus kam ...

oder

Kurt und die Sucht “Zirkus”

Es begann schon in der Kindheit. Gastierte ein Zirkus in unserer Nähe, habe ich die Schule geschwänzt. Schultasche versteckt und ab zum Zirkus. Der Ärger mit den Eltern war vorprogrammiert. Aber selbst Strafen haben meine frühe Passion zum Zirkusleben nicht verhindert. Jahr für Jahr, das gleiche Spiel.

Bei den Bäckereien habe ich für altes Brot oder Brötchen gefragt (für Pferde und Elefanten), bzw. bei Bauern nachgefragt ob es Stroh, Heu und Rüben zu verkaufen gibt. Plakate in den Geschäften verteilt u.v.m. Heute ist vieles anders, z.B. das Anbringen von Plakaten. Die Städte bereiten hier nur Probleme alleine mit dem Anbringen von Plakaten. Jeder Zirkus hat Presse- und

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~ Weißclown Francesco Caroli und ich ~

Reklameteams. Alles ist 100 % durchorganisiert. Zeit ist Geld. Durch meine jahrelangen Zirkuskontakte haben sich über Jahrzehnte viele Freundschaften ergeben, von Zeltarbeitern, Artisten bis zum Zirkusdirektor. Der Kontakt ist immer und überall möglich, da immer jemand in irgendeinem Zirkus ist, oder gerade arbeitet.

Meine absoluten Lieblinge sind die Elefanten! Die sanften Riesen. Im Elefantenzelt fühle ich mich zu Hause. Vor vielen Jahren habe ich meinen Jahresurlaub im Zirkus verbracht. 3 Wochen mit auf Reisen. Auf- und Abbau, alle 2 Tage neue Plätze. Regen, Matsch, Kälte und wenig Schlaf! Lkw gefahren, Zelt mit abgebaut, Manege gefegt u.v.m.! Es war knochenhart, aber schön! Unbezahlbar die Kameradschaft, die man erfährt und bekommt (bis heute). Nationalität, Hautfarbe oder Religion spielen keine Rolle. Alle arbeiten zusammen. Es zählt der Mensch. Jeder einzelne ist wichtig, sonst funktioniert nichts. In den 80er und 90er Jahren war ich mit dem Moskauer Staatszirkus 4 Jahre lang unterwegs. Hier liegt das Erfolgsrezept in der einzigartigen 100 %igen Disziplin. In dieser Zeit war alles sehr streng geregelt. Als Fotograf konnte man nicht so einfach mal zu den Artisten gehen. Anmelden bei dem Sprecher der Tournee evtl. ja - nein? Später wurde es leichter. Heute noch gibt es Artisten, die nun als Selbständige in Europa bei verschiedenen Zirkusunternehmen arbeiten.

Mit viel Freude schauen wir uns die Fotos der vergangen Jahre an. Liebevolle Menschen, z.B. Clown, 20 Jahre nicht gesehen, auf einmal sind sie mit der Familie im Zirkus. Man erinnert sich wieder. Erinnerungen an alte Zeiten. So geht’s immer wieder. Man bekommt Kontakte zur neuen Familie, die nun auch Artisten geworden sind. Durch meine Zuneigung zum Zirkus, die persönlichen Gefühle, möchte ich Menschen, die nichts mit Zirkus zutun haben, näher heranbringen an das Menschliche hinter dem Zelt.